Afrikas attraktivste Märkte

31 October 2017

Der afrikanische Kontinent bietet viele interessante Investitionsmöglichkeiten. Gemäss einem breiten Kriterienkatalog schneidet Botswana am besten ab.

Die Bedeutung Afrikas als Investitionsziel wächst seit Jahren stetig. Im vergangenen Jahr belief sich der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen auf 94,1 Mrd. $ (vgl. Grafik). Dies trotz Rohstoffbaisse, zunehmender wirtschaftspolitischer Unsicherheit, geringeren Wachstumsraten in China und unerwarteter politischer Ereignisse wie dem Brexit und der Wahl von Donald Trump.

Schweizer Firmen sind allerdings weiterhin sehr zögerlich. 2016 stammten nur 3,4% der Importe aus afrikanischen Ländern, und es gingen nur 1,1% der Schweizer Exporte nach Afrika. Angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung und einer aufsteigenden Mittelschicht lassen sich Schweizer Firmen hier Chancen entgehen. Aber wo liegen die besten Investitionsziele für Schweizer Investoren?

Botswana schlägt die Grossen

Der Africa Investment Index (AII) von der Quantum Global Gruppe bietet eine Orientierungshilfe. Er stuft die einzelnen Länder nach ihrer Investitionsattraktivität ein und wirft so ein Licht auf die aktuellen wirtschaftlichen Gewinner und Verlierer (vgl. Text rechts). Ganz oben stehen Botswana und Marokko. Auch Sambia schneidet im Index gut ab. Von den grossen Volkswirtschaften haben es Ägypten und Südafrika in die Top 5 geschafft. Aber was macht diese Länder so interessant?

Botswana punktet bei fünf kritischen Faktoren: Die Leistungsbilanz weist einen hohen Überschuss auf, die Auslandverschuldung ist niedrig, Bonität und Importdeckung sind hoch, und auf der Ease-of-Doing-Business-Rangliste der Weltbank steht das Binnenland vor Südafrika.

Botswanas beeindruckende Ergebnisse gründen auf einer besonnenen Finanzpolitik, attraktiven Rahmenbedingungen und umfangreichen Devisen­reserven, was für Investoren ein recht niedriges Risikoprofil ergibt. Die Eigentumsrechte sind umfassend geschützt, die Regulierung ist wirtschaftsfreundlich. Noch ist Botswana sehr einseitig vom Bergbausektor abhängig, doch andere Branchen wie der Tourismussektor gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Auf dem zweiten Platz liegt Marokko mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen bei den Kriterien Leistungsbilanz, Importdeckung und den Bedingungen für Unternehmensgründungen. Das Königreich hat bereits 1993 ein Marktliberalisierungsprogramm eingeführt. Die Wachstumsrate von durchschnittlich 4% in den letzten fünf Jahren zeigt den Erfolg dieser Massnahme. Gekoppelt mit der Privatisierung von Schlüsselbranchen konnte Marokko dadurch umfangreiche ausländische Direktinvestitionen in die Fertigungs- und Luftfahrtindustrie gewinnen.

Trotz eines hohen Inflationsrisikos schneidet auch Ägypten in der Gesamtbeurteilung gut ab. Ägyptens Vorteile sind die geringe Auslandverschuldung, niedrige Realzinsen und eine gut balancierte Zentralbankgeldmenge. Positiv zu Buche schlagen auch die Demografie und die Grösse der Volkswirtschaft, die das lokale Marktpotenzial im Wesentlichen bestimmt. Es wurden neue Wirtschaftsreformen in Gang gesetzt, um private Investitionen anzukurbeln. Die Regierung hat die öffentlichen Finanzen konsolidiert und unter anderem die teuren Treibstoffsubventionen deutlich reduziert.

Auf dem vierten Platz bleibt Südafrika als reichstes Land des Kontinents unter seinem Potenzial. Doch trotz der Bonitätsherabstufung durch die Ratingagenturen zieht Südafrika nach wie vor jedes Jahr ausländische Investoren an. Allerdings werden die Gesamtaussichten durch das steigende Haushaltdefizit und den wachsenden Eingriff der Regierung in den Privatsektor getrübt. Sambia punktet bei Liquiditätsfaktoren und mit seiner soliden Leistungsbilanz. Das politisch am stabilsten geltende Land im südlichen Afrika hat sich jedoch ehrgeizige Ziele zur Diversifikation der Wirtschaft gesetzt. Sambias Wirtschaft hat jüngst unter den einbrechenden Kupferpreisen und einer ausgeprägten Dürre gelitten. Dank wahrscheinlicher Finanzhilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einem Programm zur Senkung von Inflation und dem Haushaltdefizit dürfte sich die Wirtschaft aber weiter stabilisieren.

Binnennachfrage ist zentral

Auch wenn die Grösse einer Wirtschaft zu den entscheidenden Faktoren für lang­fristige Wachstumsperspektiven gehört, schneidet Botswana besser ab als alle grossen Volkswirtschaften. Die Schweiz weiss besser wie jedes andere Land, dass Grösse allein nicht ausschlaggebend ist. Und obwohl viele Länder Afrikas von den Rohstoffen abhängig sind, sind die einzelnen Länder doch so unterschiedlich, dass es kein allgemeingültiges Investitions­modell für Afrika gibt.

Generell aber gilt, dass der Kontinent mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde neue Investitionen zur Diversifi­zierung der Wirtschaft dringend benötigt. Investitionsstrategien sollten sich dabei an der stetig zunehmenden Inlandnachfrage aufgrund der steigenden Kaufkraft orientieren.

Thomas Ladner, Rechtsanwalt, ist Präsident des Verwaltungsrats bei Quantum 
Global Research Lab mit Sitz in Zug.


 

Glossar

Der African Investment Index setzt sich aus einer Vielzahl makroökonomischer Indika­ toren zusammen. In der Folge wird ein Auswahl der wichtigsten Faktoren erklärt:

Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz umfasst alle Ausgaben und Einnahmen eines Landes. Ihr wichtigs­ ter Bestandteil sind die Importe und die Exporte von Gütern und Dienstleistungen. Sie ist ein Mass für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

Liquidität

Der Begriff Liquidität bezeichnet in diesem Zusammenhang die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet. Einfluss auf die Geld­ menge haben die Konjunktur, die Geld­ umlaufgeschwindigkeit und die Geldpolitik.

Bonität

Die Bonität beschreibt die Kreditwürdig­ keit eines Landes. Sie findet in den Bonitätsnoten (AAA bis C oder D) der Ratingagenturen Ausdruck.

Ease-of-Doing-Business-Rangliste

Der Weltbankbericht «Ease of Doing Business» ermittelt anhand verschiedener Faktoren, wie einfach sich in einem Land ein Unternehmen aufbauen und fort­ führen lässt.

Importdeckung

Die Importdeckungsquote gibt an, wieviele Monate die amtlichen Devisenreser­ ven reichen, um die Importe zu decken.

Source: Finanz und Wirtschaft